Die Kunst des Scheiterns in der Musik

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Zu Sabrina Linns Blogparade zum Thema Fehler und Scheitern könnten sicherlich die meisten Musiker:innen einen Artikel schreiben.

Das Leben eines Musikers ist oft von Höhen und Tiefen geprägt. Hinter den tollen Auftritten und dem tosenden Applaus auf der Bühne verbirgt sich auch die Realität des Scheiterns. In diesem Artikel möchte ich einen ehrlichen Blick darauf werfen, wie das Scheitern als Musiker nicht nur unvermeidlich, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil des Lernens und ein kreativer Prozess ist und zu musikalischen Wachstum führt.

Der Weg zum Meister seines Instruments führt über falsche Noten

Jeder Musiker, vom Anfänger bis zum Profi, hat schon einmal eine falsche Note gespielt bzw. spielt auch immer wieder eine falsche Note. Das Erkennen und Akzeptieren von Fehlern ist der erste Schritt zur Verbesserung. Jeder falsche Ton ist eine Gelegenheit zur Selbsterkenntnis und zur Feinabstimmung der jeweiligen Technik. Das Scheitern im musikalischen Kontext ist somit nicht nur normal, sondern in diesem Fall der Schlüssel zur Verbesserung. Die scheinbare Unvollkommenheit ist und sollte der Wegweiser zu musikalischer Exzellenz sein.

Die Angst vor der Bühne

Das Scheitern als Musiker zeigt sich nicht nur in der musikalischen Leistung an sich, sondern auch in der Überwindung von Ängsten Bezug auf die Bühne. Lampenfieber ist eine allgegenwärtige Realität, die Musiker dazu zwingt, ihre Komfortzone zu verlassen. Aber das Lampenfieber darf hier nicht als Scheitern bzw. als eine Niederlage angesehen werden, sondern in diesem Fall ist es eine Gelegenheit zum Wachsen.

Die Bühne ist der Ort, an dem der/die Musiker:in das innere Selbst, mit der Außenwelt teilt. Dieser sehr intime Moment macht jedes Live-Konzerterlebnis so unvergesslich, ist aber somit auch ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Scheitern. Das Überwinden von Bühnenangst bzw. das Erlernen vom Umgang mit dem Lampenfieber ist ein Prozess des persönlichen Wachstums, der das Scheitern als notwendiger Bestandteil des künstlerischen Reifeprozesses entlarvt.

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“ 

(Marlene Dietrich)

Die Realität des Musikgeschäfts: Rückschläge und Resilienz

Die Gunst des Musikgeschäfts ist gerade, wenn es darum geht, damit Geld zu verdienen, nicht immer freundlich. Die Ablehnung von einem Plattenlabeln, das gescheiterte Probespiel in einem Profiorchester, negative Kritik an der Vermarktung oder der Mangel an monetär lukrativen Auftritten können als Musiker:in schwer zu verdauen sein. Doch Musiker:innen, die aus diesen Widrigkeiten Kraft schöpfen, entwickeln somit gleichzeitig eine Resilienz.

Gemeinsam scheitern und gemeinsam nach vorn blicken

Leider ist es weitverbreitet, dass der Wettbewerb in der Musik besonders hervorgehoben wird. Die Musiker-Community sollte stattdessen einen offeneren Umgang mit dem Scheitern pflegen. In diesem Fall ist es etwas, was jede/r Musiker:in auch schon erlebt und alle eint. Es sollte als eine gemeinsame Erfahrung begriffen werden, über die wir gemeinsam im Austausch stehen sollten und uns nicht dafür schämen müssen.

Das Momentum des Scheiterns

Scheitern als Musiker ist nicht das Ende, sondern ein Wendepunkt. Es ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Es erfordert die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, sich weiterzuentwickeln und mit einer gestärkten Perspektive aufzustehen. Die Wahrheit ist, dass hinter jedem Meisterwerk und jeder erfolgreichen Karriere eine Geschichte des Scheiterns steht.

Also, in der Welt der Musik ist das Scheitern nicht nur akzeptabel, sondern notwendig. Daher sollten Musiker:innen sich nicht vor dem Scheitern zurückschrecken, sondern es als einen unverzichtbaren Bestandteil ihres musikalischen Lebens und ihrer musikalischen Entwicklung annehmen.

3 Kommentare

  1. Lieber Albrecht,
    vielen Dank für den tollen Beitrag in letzten Minute☺️
    Aus Sicht eines Musikers ist das Thema Fehler machen, besonders auf der Bühne, noch einmal eine bereichernde Perspektive.
    Herzliche Grüße,
    Sabrina

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